Theatergruppe „Frauensache“ bot zweimal ein fernsehreifes Karnevalsprogramm
Schermbeck Mi–ke Rexforths letzte Tage im Rathaus sind gezählt. Davon geht der „Rüster Negerhauptmann Willi“ aus, der schon jetzt in Zusammenarbeit mit der „Wählt Willi“-Partei mit dem Wahlkampf für die Kommunalwahl begonnen hat, weil Rüster Bauern immer etwas länger brauchen.
Solche optischen und akustischen Knüller gab`s gleich serienweise, als die Theatergruppe „Frauensache“ vorgestern und gestern jeweils mehr als 200 Frauen ein dreieinhalbstündiges karnevalistisches Programm der allerfeinsten Klasse bescherte und das Motto „Langeweile? – Nein, danke!“ perfekt umsetzte. Heute Abend wird das Programm zum dritten Mal im proppenvollen Saal vorgestellt. Ein kurzweiliges, lustiges und garantiert nicht langweiliges Programm erwartet die Zuschauerinnen.
Putzmuntere junge Frauen
Schon vor dem offiziellen Beginn des Programms zeigten Schermbecks Frauen ihre lockere Art zu feiern. Es wurde eifrig mitgesungen und geschunkelt, als die beiden DJs bekannte Karneval-Songs erklingen ließen. Gleich am ersten Tisch neben dem Eingang erwiesen sich an Altweiberfastnacht putzmuntere junge Frauen der „Kegelgarde a.D.“ um Chantal Graaf als tolle Stimmungsmacher zwischen den einzelnen Szenen auf der Bühne. Originelle Kostüme waren Anlass, einander an den Tischen zu bewundern und hier und da wurde schon herzhaft über Witze gelacht, die man zum Besten gab. So waren die Närrinnen schon in bester Stimmung, als die „G-7-Abiturientin Uschi (Claudia Oberheim)“ die ersten Stories von ihrem wenig ehetauglichen Mann Herbert mit – aus Frauensicht –recht ungewöhnlichen Marotten erzählte und dabei für Lachsalven sorgte. Das „Spielchen“ wiederholte sich jedes Mal, wenn die Akteure die offene Bühne für ihre nächste Spielszene umbauen mussten.

Zum Thema „Langeweile“ passte der Besuch des Ehepaares Sauerbier (Ulla Bienbeck und Anne Heuwing) beim Therapeuten (Petra Becker). Dort gab es jede Menge teilweise urkomisch anmutender Ratschläge gegen die chronische Langeweile. Zu diesen drei Akteuren gesellten sich Anette Speckamp und Karin Kock beim perfekt synchronisierten Klapper-Rap mit Biergläsern und Flaschen auf einer hölzernen Tischplatte.
Ruhe in einer Toilettenzelle genießen
In der Szene „Auf der Toilette“ hatte man eigentlich kein Gespräch zwischen den beiden gestressten Lehrerinnen Nölle und Lehmann-Brockmeier erwartet, die Schläge von dem kleinen Kevin mit dem Tornister einstecken müssen und ganz einfach die Ruhe einer Toilettenzelle genießen möchten. „Man kann auch ohne Saufen lustig sein“, zeigte sich Sängerin Anja Prinz überzeugt, als sie von der Gitarrenspielerin Claudia Gertzmann begleitet wurde.

Unterstützung bekamen die närrischen Akteure von acht Schülerinnen der Gesamtschule, die mit fetzigen Rhythmen bewiesen, dass Tanzen ein wirksames Mittel gegen die Langeweile sein kann.
In der Sauna gibt`s keine Frauen, die stören. Grund genug für drei mächtig schwitzende Mannsbilder (Ingrid Bienbeck, Ulla Bienbeck und Steffi Ridder), sich dort möglichst lange aufzuhalten, zumal man nach Herzenslust über die Marotten der eigenen „Weiber“ herziehen kann, über Geli, die sogar noch beim Einatmen weiterreden kann, und über die fette Gabi, die an einen Pottwal erinnert.
Beim Warten auf den Zug, der die Keglerinnen zu „einem geilen Wochenende“ ins Sauerland bringen soll, gab`s jede Menge wechselseitiger Tipps, wie man sich unterwegs einen Mann für die „ABBA-Fahrt“ (ankommen, besaufen, brav sein (?) und abfahren) angeln kann.
Ihren Rock-Tanz mit akrobatischen Einlagen beendeten putzmuntere Tänzerinnen mit dem Werfen ihrer Plastik-Gitarren ins Publikum. Wie man aus etwa 100 Redensarten eine dennoch verständliche Unterhaltung über Eheprobleme zusammenbasteln kann, bewiesen Petra Becker und Karin Kock in ihrem Beitrag „Phrasen, nix als Phrasen“.
Zwei übertrieben gestylte Opern-Stars auf der Bühne, die frivole Texte wie das „Zentimeter-Lied“ und das Ballermann-Lied von den zehn nackten Frisösen sangen: Größer konnte der Widerspruch nicht sein. Doch, es wurde im Finale noch getoppt, als die britischen Royals erst majestätisch die Bühne beschritten, um, dem Vorbild des „Dinner for one“ folgend, allmählich immer stärker über die Bühne zu torkeln; selbst Queen Mumm verfehlte nur knapp den Purzelbaum. H.Scheffler